In Zeiten des Tulpenwahns von Susanne Thomas * Rezension *

„Ein Flammenrad aus glühenden Gelb- und Orangetönen empfing ihn. Karmesinrote Linien züngelten nach allen Seiten bis zur Blütenöffnung empor. Ein leuchtender, hellblauer Kranz umgab den Stempel (…)“

Susanne Thomas erzählt in diesem stimmungsvollen, kurzweiligen Roman eine düstere Liebes- und Rachegeschichte während der Zeit des Tulpenwahns. Im Holland des 17. Jahrhunderts wächst Griet nach dem Tod ihrer Mutter zu einer schönen jungen Frau heran. Schon bald zieht sie die Aufmerksamkeit ganz unterschiedlicher Männer auf sich. Um ihr eine Heirat in eine höhere Gesellschaftsschicht zu ermöglichen, lässt sich ihr Vater Nicolaes auf die Spekulation mit Tulpenzwiebeln ein. 

Die Beschreibungen von Susanne Thomas, in denen sie die Bildsprache grosser niederländischer Maler aus dieser Zeit heraufbeschwört, haben mir sehr gut gefallen. Wer die Gemälde von Rembrandt, Vermeer und deren Zeitgenossen mag, wird hier seine Freude haben. Das Buch liest sich gut und wie in einem inneren Film fliessen die Szenen ineinander. Die Handlung entwickelt sich flott und der Roman hat einen runden, schönen Aufbau. Griets Arbeit in der Bleicherei, ihr langer Fussmarsch dorthin und zurück, die brutalen Todesstrafen und der Fremdenhass gegen französische Flüchtlinge werden ebenso thematisiert wie die allgemeine Begeisterung für die Tulpen. Sowohl der Gärtner Nicolaes wie auch sein Nachbar sind besessen davon, möglichst besondere Tulpen zu züchten. Hier hätte ich mir gewünscht, mehr darüber zu erfahren, wie man überhaupt Tulpen züchtet, was für Arbeiten gemacht werden müssen und weshalb die Tulpen damals so begehrt waren. Auch über den Handel und die Spekulation hätte ich gerne mehr erfahren. 

Von allen Figuren fand ich Nicolaes am besten herausgearbeitet. Seine Handlungen und Gefühle konnte ich gut nachvollziehen. Griet und ihr Herzbube dagegen wirkten für meinen Geschmack etwas kindlich und naiv. Das Böse ist so durch und durch böse, dass ich es nur bedingt nachvollziehen konnte. 

Dennoch hat mir der Ausflug in das alte Holland gut gefallen. Der Roman hält viele schöne Bilder und Metaphern und ein stimmiges Ende bereit. Herzlichen Dank an Lovelybooks und den Ruhland Verlag für das Rezensionsexemplar und an die Autorin für ihre interessanten Ausführungen zum Entstehungsprozess des Romans!

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