Belletristik, Historischer Roman, Klassiker

Die Kameliendame von Alexandre Dumas (Sohn) *Rezension*

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Die Kameliendame war die Vorlage zu Verdis berühmten Oper La Traviata und wurde mehrfach verfilmt (unter anderem mit Greta Garbo in der Hauptrolle). Dem gleichnamigen Sohn von Alexandre Dumas («Die drei Musketiere», «Der Graf von Monte Christo» etc) gelang mit diesem stark autobiografisch gefärbten Roman sein Durchbruch. Inspiration für die  Kameliendame war Dumas unglückliche Liebe zu der Edelprostituierten Marie Duplessis, die wie die Titelheldin mit vierundzwanzig Jahren starb und deren Grab noch heute das meistgeschmückte Grab des Montmartre ist.

Inhalt:

Paris in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Kostspielige Mätressen gehören als Statussymbole zum guten Ton und ausschweifenden Lebenswandel der Neureichen. Eine der berühmtesten und begehrtesten unter ihnen, Marguerite Gautier, ist an der Schwindsucht gestorben und ihr Hab und Gut wird in ihrer luxuriösen Wohnung versteigert. Ein namenloser Ich-Erzähler erwibt dabei Prévosts «Manon Lescaut» mit einer Widmung von einem gewissen Armand Duval. Kurz darauf sucht dieser ihn sichtlich verstört auf und bittet um dieses Buch als Andenken an die Verstorbene. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden Männern, worauf Armand die ganze Geschichte um seine Liebe zu der berühmten Edelprostituierten Marguerite Gautier erzählt.

Der junge naive Armand Duval verfiel dem Reiz der schönen Marguerite Gautier sofort, als er sie das erste Mal sah. Nach einer ersten Zurückweisung findet Marguerite mehr und mehr Gefallen an ihrem Verehrer, und beginnt eine verhängnisvolle Affäre mit Armand. Dieser will die Angebetete nicht mit anderen teilen, verfügt jedoch nicht über die nötigen Mittel, um für Marguerites kostspieligen Lebensunterhalt aufzukommen oder gar um ihre Schulden abzuzahlen. Die Kameliendame ist also weiterhin auf das Geld ihrer vermögenden Freier angewiesen. Die Lage spitzt sich weiter zu, als Armands Vater von der Affäre seines Sohnes Wind bekommt.

Von der Hure zur Heiligen

Die Kameliendame handelt von leidenschaftlicher Liebe, starren gesellschaftlichen Konventionen und einem heroischen Verzicht. Von Eifersucht, Rache, verpassten Chancen, Krankheit und Tod. Grosse Themen, die dem Roman trotz seiner phasenweise anstrengenden Erzählweise eine zeitlose Aktualität verleihen. Marguerite als Kämpferin gegen eine verlogene Gesellschaft, als selbstlose Liebende,  als moralische Siegerin gegen das Unrecht faszinierte mich trotz des unverhohlenen Pathos, den Dumas in den hochsentimentalen Schluss legt.

Die Geschichte um die selbstlose Kurtisane hat mich allerdings erst etwa ab der Mitte des Buches richtig gepackt. Den Einstieg fand ich etwas zäh, vielleicht brauchte ich auch einfach eine Weile, um von Alex Capus wunderbar leichtem Schreibstil auf Dumas Art zu erzählen, umzustellen. Marguerite gewinnt mit zunehmender Seitenzahl an Tiefe, und ihr Charakter begann mich mehr und mehr zu interessieren. Armand dagegen hätte ich bis zum Schluss einfach nur schütteln können! Ein naives, eifersüchtiges, ja stellenweise sogar wirklich einfältiges Jüngelchen, das dieser starken Frau gar nicht würdig war. Während sich die Tragödie mehr und mehr zuspitzt und man als Leser sofort ahnt, woher der Wind weht, ist der gute Armand total begriffsstsutzig. Aber wäre er das nicht, gäbe es in der Kameliendame keinen derart melodramatischen Schluss, weniger Tränen, und keine derart herzzerreissende Abschiedsbriefe. Und wohl wäre dieser Roman dann nie so berühmt geworden. Also: Nachsicht mit dem armen Armand, er hat ja auch Schweres durchgemacht.

Bibliografische Information:

  • Alexandre (Sohn) Dumas: Die Kameliendame
  • Michaela Meßner (Übersetzer)
  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. November 2008)

Gelesen im März 2019

 

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