Belletristik, Highlight, Klassiker

Tristan von Thomas Mann *Rezension*

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Thomas Manns „Tristan“ hat mich vor mehr als dreissig Jahren im Deutschunterricht sehr fasziniert. Es war wunderbar, die Erzählung heute noch ein mal zu lesen. Während ich von Tonio Kröger zwar nicht enttäuscht, aber auch nicht mehr so völlig begeistert war wie damals, hat mich Tristan richtiggehend verzaubert!

Inhalt:

Im Sanatorium Einfried begegnen sich der skurrile, weltfremde Schriftsteller Detlev Spinell und die schöne, unirdische Gabriele Klöterjahn. Spinell ist hingerissen von der todkranken Schönheit, sieht in ihr eine Seelenverwandte und sucht ihre Nähe. Er fragt sie aus über ihre Herkunft und kann es nicht fassen, dass Gabriele aus freien Stücken, ja sogar gegen den Willen ihres Vaters den vitalen, lebenstüchtigen und in seinen Augen viel zu groben Anton Klöterjahn geheiratet und ihm einen Sohn geschenkt hat. Für ihn gehört sie nicht in diese vulgäre, gewöhnliche Welt.

Schliesslich bittet Spinell Gabriele, für ihn trotz des Verbots der Ärzte Klavier zu spielen. Er holt sie also aus der einfachen Welt ihres Mannes zurück in die Welt der Kunst. Sie spielt das Nocturne in Es-dur von Chopin und er ist entzückt über ihren „nervösen Sinn für differenzierte Klangfarbe“. Schliesslich findet Spinell die Noten von Wagners Oper Tritstan und Isolde, und Gabriele spielt Wagner für ihren Verehrer.

Um den schrulligen Schriftsteller ist vollends geschehen. Nach dem Klaviernachmittag setzt er sich hin und schreibt Gabrieles Ehemann einen Brief, in dem er diesem seine ganze Wut und Entrüstung darüber entgegen schleudert, dass dieser „Gewöhnliche“ es sich erlaubt hat, ein derart zartes, entrücktes Wesen wie Gabriele zu heiraten. Und während Gabriele in ihrem Bett Blut spuckt, kommt es zu einem Wortgefecht zwischen Klöterjahn und Spinell, zwischen dem «unbewussten Typus» und dem Künstler.

Der Künstler und der Normale

Wie bei Tonio Kröger geht es auch in Tristan um den Gegensatz zwischen Künstlern und Normalen, die hier in den Personen von Grosskaufmann Anton Klöterjahn und Detlev Spinell aneinandergeraten. Während Tonio Kröger jedoch beides in sich trägt und den Gewöhnlichen in einer heimlichen Liebe verfallen ist, verachtet Spinell diesen Menschentyp. Und die todkranke Gabriele? Sie, die freiwillig und sogar gegen den Willen ihres Vaters den lebenstüchtigen Klöterjahn geheiratet hat, die ihm auch offensichtlich zugetan ist? Wo steht sie, was verkörpert sie? Die Kunst an sich, die nur denen vorbehalten sein sollte, die sich ihrer als würdig erweisen? Wie auch immer: Die Novelle liest sich leicht sprüht nur so vor Wortwitz und Überzeichnungen. Ein köstlicher Lesegenuss. In Spinells Brief an den vitalen, ordinären Klöterjahn hat sich Mann selber übertroffen! Er schilt Klöterjahn als unbewussten Typen. Er ertrage dieses dumpfen, unwissenden, erkenntnislosen Menschen nicht, diese aufreizende Naivität. Klöterjahn habe Gabrieles verträumten Willen in die Irre geführt, ins Leben un din die Hässlichkeit. Er habe sie erniedrigt, in dem er sie zur Ehefrau, Hausfrau und Mutter gemacht habe:

Sie erniedrigen die müde, scheue und in erhabener Unbrauchbarkeit blühende Schönheit des Todes in den Dienst des gemeinen Alltags

Spannend in Tristan ist auch die Macht der Musik! Ich denke an Tolstois Kreutzersonate. Wie dort bringt auch hier das gemeinsame Musizieren Unheil und Verderben.

Bibliografische Angaben:

  • Thomas Mann: Tristan
  • Sowohl einzeln als auch in verschiedenen Sammlungen enthalten.
  • Hörbuch-Download: Die großen Erzählungen: Tristan – Der Tod in Venedig – Mario und der Zauberer – Die vertauschten Köpfe – Das Gesetz. 
  • Spieldauer: 13 Stunden und 55 Minuten
  • Format: Hörbuch-Download
  • Version: Ungekürzte Ausgabe
  • Gesprochen von Gert Westphal.
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Erscheinungsdatum: 27. September 2013

Gelesen in den späten 1980er Jahren im Deutschunterricht.

Gehört im Februar 2019

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